exo/nat by miccoli Architektur I Immobilien I Atelier
Lesezeit:

1 EINLEITUNG

Die Gesellschaft ist im Wandel. Die Bauwelt ist im Wandel. Das Klima ändert sich. Der technische Fortschritt rast dahin. Die Zeit scheint sich zu beschleunigen. Was aber wollen wir, die Menschen? Wo positionieren wir uns in einer immer kleiner werdenden Welt voll hybrider und integraler Systeme?

Als Architekt ist man immer mit der Frage des Wohnens in der Zukunft konfrontiert. Schließlich ist alles was auf einem Stück Papier geplant wird ‚Zukunft‘.
Dieses Projekt soll über herkömmliche Ansätze hinausgehen.

Ökologie und Ökonomie spielen dabei ebenso eine Rolle wie Gestaltungsansprüche, soziale Aspekte und die Frage wofür wir unseren technischen Fortschritt eigentlich einsetzen möchten… Außerdem wird der Mensch Berücksichtigung finden. Nicht nur nach seinen Körpermaßen, sondern nach seinem Wesen, nach dem Kontakt mit seiner Umwelt und der Wahrnehmung seiner selbst.

1-1

Das eXo/nat-Projekt ist ein Konzept für eine neue Bau- und Lebensart. Es ist skalierbar, hochindividuell und es kann dem jeweiligen Budget angepasst werden. Selbst die prägnante, äußere Form ist nur eine von unzähligen Realisierungsmöglichkeiten. Das Gesamtkonzept lässt viele Varianten zu.

Grüne Architektur mit dem Mensch im Mittelpunkt, ein variantenreicher und zukunftssicherer Lebensraum - das ist
eXo/nat.

Die im folgenden betrachteten Aspekte können keine allumfassende Auskunft geben - einzelne Themen füllen an sich ganze Bücher. Sie sollen vielmehr darstellen, welche Gedanken das Projekt geformt haben und dem interessierten Leser Anreize zur intensiveren Auseinandersetzung bieten.

2 WARUM

Fragen aufwerfen und Lösungswege zeigen - das müssen zukunftsweisende Projekte leisten. Nicht die unmittelbare Lösung, sondern der nachvollziehbare Gedankenweg markiert den Beginn für die Verschmelzung von Natur, Bauwerk und Mensch.
Die folgenden Punkte sollen Teil der Antwort auf die Frage sein: Woher kommt die Idee zum
eXo/nat?

2.1 Themen

13 Jahre Erfahrungen als selbstständiger Architekt sorgen für intensive Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen. Über offensichtliche Bereiche hinaus spielen für das
eXo/nat auch Themen wie Wohnen im Gewächshaus, Geometrie von Kleinstlebewesen(Biomimicry), japanische Architektur, parametrisches Design, Kristallstrukturen und einige mehr eine wesentliche Rolle und haben das Konzept durch eine Kombination vieler Einzelaspekte erst in Gang gebracht. (mehr siehe 6.2)

Eine wichtige Frage formte sich in der Anfangsphase: Gewinnen wir durch Neubau
Wohnraum, oder verlieren wir unseren Lebensraum? Wie wollen wir „wohnen“?

2.2 Grundstücke

Steigenden Grundstückspreise, vor allem aber zu wenige Grundstücke - Alltag im Neubausegment. Alles konzentriert sich in Ballungsräumen, Megacitys entstehen, Preise explodieren - in der Folge muss man sich mit wenig Platz zufrieden geben. Aber was wird eigentlich aus billigen (schlechten?) Grundstücken?

Die wahrscheinlich günstigsten Grundstücke der Welt dürften sich auf 30% der Erdmasse verteilen: Die Wüsten. Prozentualer Anteil dauerhaft steigend - ganz im Gegenteil zum Platzangebot in Städten. Die Desertifikation (Wüstenbildung) ist ein großes Thema der Zukunft, aber auch die Versalzung von Böden, wie in großen Teilen der USA, mit der Folge einer zerstörten Umwelt.
Auch für diese Gebiete, vor allem für Wüstenränder und karge, unwirtliche Umgebungen wurde das
eXo/nat konzipiert. (mehr siehe 5.5+5.6)
Stacks Image 28156
Stacks Image 28160
Stacks Image 28158
2.3 Humaner Ansatz

„My home is my castle“ - aber leider meist etwas eng… Die Integration eines großen Stück des Gartens in das Gebäude soll dem Bewohner eine hohe Natürlichkeit seines Lebensraums vermitteln - so kann der zunehmenden Digitalisierung und dem leider damit verbundenen hohen Stresslevel entgegengewirkt werden.
Eine sich wandelnde und verrohende Gesellschaft vergrößert den Wunsch, sich in Privatbereiche zurückzuziehen, die trotzdem Abwechslung bieten, Beschäftigung und Spaß, die nicht für Isolation sorgen, die individuell ausgestaltet sind - fern ab von Fragen welche Wandfarbe am besten passt…

Durch große Verglasungen steht man im
eXo/nat im Kontakt mit der Umgebung und mit der Tageszeit, mit der Natur im Inneren und dem Wetter draußen. Die Jahreszeiten wirken, wenn die Grenze von innen und außen verschwimmt, der „Biorhythmus“ bekommt Orientierung.
Die positiven Auswirkungen auf die menschliche Psyche durch die Harmonie von Mensch, Natur und Bauwerk werden sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen, jedoch leuchtet ein, dass wir den Kontakt zu uns selbst in einer natürlichen Umwelt besser halten bzw. finden können als in den künstlichen Blasen unseres Alltags.

11a

Auch Selbstversorger werden die Vorzüge des
eXo/nat mit seinem Bepflanzungskonzept gerne annehmen - bietet es doch maximale Individualität in der Ausgestaltung des Wohn-/Lebensraums.

2.4 Klima

Die Zukunft wird mit immer neuen Extremen aufwarten. Gebäude werden immer öfter hohen Windgeschwindigkeiten ausgesetzt sein. Dürren, Versalzung und Ausbreitung der Wüsten werden Wohnraum in bisher bekannter Form weiter verknappen.

In Deutschland kann mit dem
eXo/nat das „Kleinklima“ der eigenen Wohnumgebung optimiert werden. Oftmals kurze Sommer verlängern sich im Gebäude deutlich - ähnlich dem Wintergartenprinzip. In Wüstenrandzonen erschließt das Konzept neue Siedlungsgebiete. (mehr siehe 5.5+5.6) Ein „greenspread“ um die Gebäude herum wird zusätzlich unwirtliche Umgebungen renaturieren.(mehr siehe 4.5)
2.5 Defizite aktueller Konzepte

Es gibt heute viele ökologische Baukonzepte, jedoch mit deutlichen Einschränkungen. Hochgedämmte Gebäude mit kleinen Fenstern werden zum Standard, die Lebensqualität sinkt, die Baupreise steigen. Eigenleistungen sind nur marginal möglich. Am Ende stehen oft nur durch ein paar Sonderteile ergänzte Serienprodukte in Neubausiedlungen, Individualität wird über Haustürdesign ausgedrückt.

Ein großer Teil gebauter Architektur beschränkt sich offenbar auf die Schaffung von Schutzräumen - Schutz vor Wetter und Schutz der Privatheit. Das Kreieren von Lebensräumen mit Hilfe einer Aneinanderreihung rechtwinkliger Räume und Stapeln dieser in ebenen Geschossen ist nur beschränkt möglich, bestenfalls wird ein „Raumgefühl“ simuliert.
Das Leben in „Schachteln“ kann unmöglich der Natur des Menschen entsprechen. Es entspricht der Möglichkeit mit einfachsten Mitteln möglichst viele Menschen „unterzubringen“ und damit hohen Profit zu generieren.

eXo/nat rückt den Nutzer in den Mittelpunkt, nicht Industriestandards und auch nicht Profite.

1-3

2.6 rasante Entwicklung

Der technische Fortschritt nimmt ständig mehr Fahrt auf. Eine digitale Welt prasselt auf uns ein und bei all den Möglichkeiten, die sich bieten, gilt es die eigenen Vorstellungen zuerst auszuloten. Unterhaltungsprodukte und Konzepte sind nötig, wenn die eigene Umgebung eintönig ist - speziell wenn das Leben zu großen Teilen in geschlossenen Räumen stattfindet.

Im
eXo/nat wird Technik eingesetzt um das Maximum an „grüner Energie“ zu gewinnen und zu speichern, um weitestgehend autark zu leben und um das Umland zu renaturieren bzw. zu unterhalten.

2.7 change

Wie den täglichen Nachrichten und den vorangegangenen Punkten zu entnehmen ist, gibt es auf unserem Planeten genug Anlass und Potential zur Veränderung.
Das
eXo/nat soll dazu beitragen, die Welt in einem Bereich ein Stück besser zu machen und auch andere animieren, Ihren Zukunftstraum zu formulieren.

Wenn wir beginnen weniger in „Standards“ zu denken, schaffen wir Vielfalt. Und Vielfalt bietet ein enormes Veränderungspotential.

3 WO

3.1 gemässigte Klimazonen

Fast überall kann das
eXo/nat-Konzept angewandt werden. An Standorten wie Deutschland dient es der Verlängerung des Sommers und damit der Vegetationsperiode für Nutz- und Zierpflanzen. Ernteerträge steigen, die Stimmung der Bewohner in den Übergangsphasen ebenfalls.

Nur in Bereichen mit ganzjährig niedrigen Temperaturen und kurzer Sonnenscheindauer wird nicht genügend grüne Energie zur Verfügung stehen. In diesen Breiten haben allerdings auch „Standardbauten“ einen immensen Energieverbrauch. Da dort im Regelfall das Land nicht zu landwirtschaftlichen Zwecken nutzbar ist, bleibt die Einschränkung für das
eXo/nat verkraftbar.

3.2 Wüstenrand

In Wüstenrandgebieten benötigen wir Schutz vor Hitze, starker Sonneneinstrahlung, Dürre, Wind und teilweise auch vor sehr kalten Nächten. Außerdem gilt es gerade die Wüstenränder möglichst schnell und effektiv zu schützen, um die Ausbreitung zu verhindern. Das eXo/nat erfüllt diese Vorgaben. (mehr siehe 5.5+5.6)

4 WIE

Im folgenden Teil wird die Funktionsweise und der Aufbau des eXo/nat näher betrachtet. Technisch komplexe Vorgänge werden dabei stark vereinfacht dargestellt, um einen möglichst prägnanten Überblick gewinnen zu können.

Unter
*lowbudget* wird jeweils in Schlagworten eine kostengünstige Variante präsentiert, die gerade in Entwicklungsbereichen und für Komplett-Selbstbauer eine interessante Alternative bietet.

7a

4.1 Bauen
4.1.1 DIG

Graben!
Am Anfang steht die Baugrube, jedoch nicht für einen klassischen Keller. Die weithin sichtbare, sphärisch Hülle ist nur ein Teil des Konzepts, die Basis der „Kuppel“ steckt ca. 2m tief im Erdreich, und nutzt so die dort konstanten Bodentemperaturen zur Grundtemperierung des Gebäudevolumens.

4.1.2 PRINT

Drucken?
Mittlerweile werden erste (aber sehr einfache) Häuser mittels 3D-Drucker hergestellt. Aktuell werden so Fertigteile produziert, die dann auf der Baustelle zu einem Haus zusammengesetzt werden. Ein solcher Prozess kommt für das
eXo/nat nicht in Frage, allerdings wäre denkbar, die Trägerstruktur der Hülle vor Ort mittels eines zentralen 3D-Druckarms zu erstellen. Auf einem sehr einfachen Fundamentbaukörper könnte so ein mobiler Roboter den schwierigen Teil der Hüllträger übernehmen, die Verglasung mit ebenen Glasscheiben und Schließung der Grünfelder erfolgt dann manuell.

8a

Aktuell sind herkömmliche Fassadenprofile vorgesehen, die die selbsttragende und formausgesteifte Schale tragen.

*lowbudget*:
vereinfachte Hülle aus geraden Segmenten; Holz als Träger-Baustoff
Stacks Image 28179
Stacks Image 28182
Stacks Image 28343
4.1.3 FORM

Formen des Wohn/Lebensraums!
Der durch „Dig“ und „Print“ entstandene Raum kann nun ausgebaut werden - unabhängig von der Witterung, denn die Hülle ist geschlossen. Zu großen Teilen kann nun im Leichtbau und in Eigenleistung das individuelle Nutzerkonzept realisiert werden.

Die Raumaufteilung erfolgt anders als bei vorherrschenden 2D-Grundrissen in 3 Dimensionen - ein großer Luftraum kann frei „möbliert“ werden. Dabei können auch öffentliche und private Bereiche auf natürliche Weise kombiniert bzw. zoniert werden.

Die Haupterschließung in vertikaler Richtung erfolgt über Rampen. Der Weg ist das Ziel, denn die Rampe führt entlang eines durch den Raum gespannten Fang-, Kletter- und Relax-Netzes vorbei, in der Art eines Wipfelpfads, bis auf den Glasboden des oberen Geschosses. Dort wird man von aufgeständerten „Baumhäusern“ empfangen - die Kinder- und Schlafzimmer, sowie das Bad. Diese sind durch ihre Nestform klar als Rückzugsorte gekennzeichnet und bieten zusätzlichen Stauraum in Bodenklappen.

Die Eingangsebene beherbergt eine Schrankzone, den Frühstücksbereich sowie den Küchenfelsen. Die Rampe hinunter zu den Wohnbereichen führt entlang des Pflanzbeets. Hier können sowohl Nutz- als auch Zierpflanzen gedeihen, Selbstversorger können individuell auch größere Beete anlegen.

Ein Bachlauf verbindet Eingangs-, Ess- und Wohnebene über kleine Wasserfälle, unterstreicht den natürlichen Gesamteindruck in Verbindung mit den Felsen und Pflanzen und unterstützt das Mikroklima.

Die unterste Ebene enthält den Wohnbereich, Technikbereiche sowie die „Höhle“ - die z.B. gut als Kino nutzbar ist. In die Höhle kann sich der Nutzer zurückziehen, wenn eine andere Temperatur als innerhalb der Kuppel gewünscht ist, oder um sich, wie in einem anderen Gebäude, in einem separaten Zimmer aufhalten zu können.

*lowbudget*:
Einsatz örtlicher Materialien und Bauweisen, z.B. Lehm
4.2 Hülle
4.2.1 Energetische Betrachtung

Die Form der Hülle ist nicht zufällig gewählt. Sie basiert auf der Optimierung des Verhältnisses der Hüllfläche zum umschlossenen Volumen (A/V-Verhältnis). Eine minimale Hüllfläche bei maximalem Volumen ist energetisch am günstigsten, d.h. bietet die geringste Angriffsfläche für Auskühlung. Geometrisch ideal ist dafür die Kugel. Die Kuppel des
eXo/nat nähert sich daher der Kugelform.
Allerdings wird diese zusätzlich von einer Seite „angedrückt“ und damit der Dom-Mittelpunkt verschoben. In unseren Breiten wird dadurch die Hüllfläche für größere solare Gewinn nach Süden vergrößert und nach Norden verkleinert.

14a

Die Verformung sowie die Einteilung in Glasflächen und geschlossene Flächen ist standortabhängig anzupassen.

*lowbudget*: stark vereinfachte Form unter Inkaufnahme weniger optimierter Energiebilanz

4.2.2 Wind & Regen

Gerade bei hohen Windgeschwindigkeiten bewährt sich die Kuppelform, da sie wenig Flächen bietet, die dem Wind entgegensteht. Strömungen werden aerodynamisch und mit minimierten Verwirbelungen um und über das Gebäude geführt.
Regenwasser kann rundum in ein Speicherbecken abfließen.

Die sich ständig verstärkenden Unwetter werden in Zukunft resistente Bauweisen fordern. Das
eXo/nat bietet durch seine natürliche Form der Hülle maximalen Schutz.

4.2.3 Glas

Die transparenten Felder der Hülle werden mit flachen Gläsern geschlossen, gewölbte Scheiben sind nicht nötig, da die Gesamtform durch Einteilung in ein Zellraster sehr gut angenähert werden kann.

Je nach Standort kommen Isoliergläser oder Spiegelgläser zum Einsatz - je nach Wunsch in Teilbereichen auch elektrochrome Gläser, die zum Schutz vor Einblicken auf Knopfdruck undurchsichtig werden.

*lowbudget*: Gewächshauspaneele statt Glas

4.2.4 PV & Solar

Die obere Hälfte der Hülle wird in den geschlossenen Dämmfeldern mit kombinierten Fotovoltaik/Solarkollektoren belegt. Diese erzeugen sowohl Strom als auch Wärme. Strom kann direkt genutzt oder in Akkus gespeichert werden, die Wärme der Solarfelder wird in einen Saisonalspeicher gepuffert.

1-2

4.2.5 Grün

Die untere Hälfte der Hülle wird in den geschlossenen Dämmfeldern, außen mit Wand/Dachbegrünung versehen und auf der Innenseite unter der Holzverkleidung zusätzlich mit PCM-Paneelen ausgeführt. Diese können starke Temperaturspitzen abfedern, das enthaltene wachsartige Material absorbiert Energie und gibt sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder frei.
Stacks Image 28198
4.3 Energie & Mikroklima

Die folgenden Beschreibungen basieren auf einem sehr hohen, technischen Standard. Nicht alle Maßnahmen sind zwingend erforderlich - in der Kombination wird aber ein hohes Autarkie-Level erreicht. Damit ist das
eXo/nat im Hinblick auf Versorgungslücken unabhängig und kann auch in Krisenregionen seine Grundfunktionen erfüllen.

2a

4.3.1 Elektrizität

Erzeugung durch Fotovoltaik, Speicherung in Akkus.

4.3.2 Licht

Das
eXo/nat-Konzept basiert auf einer möglichst langen Tageslichtnutzung. Durch Verglasungen im Dachbereich dringt diffuses Licht tief ins Gebäude ein und sorgt für eine Grundausleuchtung.
Gerade die Änderung der Färbung des Lichts über den Tagesverlauf beeinflusst die menschliche Psyche positiv.

Zusätzlich wird dadurch viel Energie eingespart - nachts wird dann auf LED-Beleuchtung zurückgegriffen.

4.3.3 Kühlung

Bei starker Sonneneinstrahlung und hohen Außentemperaturen entsteht unter Kuppeln schnell ein Gewächshausklima.

Folgende Maßnahmen werden getroffen:

Die Ausrichtung des Gebäudes, sowie Einteilung geschlossener und transparenter Fassadenteile wird im Vorfeld für einen Standort optimiert und simuliert.
Fenster öffnen über Sensoren und sorgen durch natürliche Thermik für eine gute Entlüftung. Unterstützt wird dieser Effekt durch eine Parallelaufstellung des obersten Fensters, das dann nach dem Venturi-Prinzip wie eine Düse vorhandenen Wind zur Verstärkung der Entlüftung nutzt.
Nachströmende Frischluft wird durch einen Erdkanal vortemperiert und damit im Sommer bereits gekühlt ins Gebäude eingebracht.

Der gesamte untere Teil des
eXo/nat ist massiv (Beton, Felsen, Böden) und kann als Speichermasse aktiviert werden (Bauteilaktivierung). Dadurch erfolgt eine phasenweise Amplitudenverschiebung, d.h. hohe Tagestemperaturen werden gesenkt indem Baustoffe Wärme absorbieren - wird es nachts kühler, wird Wärme abgegeben.
Nach warmen Tagen wird nachts durch gesichert angekippte Fenster und Querlüftung eine gute Auskühlung erreicht.

12a

Weiterhin wird Wasser aus den inneren und dem äußeren Becken verdunsten, was wiederum für Verdunstungskühle sorgt.

Genügen an Extremtagen alle o.g. Maßnahmen nicht, beginnt die solare Wärme-/Kältepumpe mit der technischen Kühlung über die Fußbodenheizung - dabei greift Sie auf die Wärme aus dem Saisonalspeicher und direkt auf die Kollektoren zu.
4.3.4 Heizung

Dem an warmen Tagen entgegen zu wirkenden Gewächshauseffekt verdankt das
eXo/nat im Normalbetrieb eine schnelle Aufwärmzeit nach Sonnenaufgang. Die tagsüber erwärmten Bauteile geben nachts Ihre Wärme an den Innenraum ab.

Die technische Heizung erfolgt über die Wärme-/Kältepumpe und Fußbodenheizung. Dabei greift diese auf den Saisonalspeicher zurück, der sich mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Litern unterhalb der Essebene befindet. Er kann wahlweise mit Wasser, Sand oder Geröll gefüllt sein und ist stark gedämmt.

Für die Zusatzheizung an Extremtagen oder eine schnellere Aufheizphase steht ein großer, zentraler Kaminofen zur Verfügung und ein Ventilator unter der Kuppel kann warme, aufgestiegene Luft zirkulieren lassen.

In den Kinder- und Schlafzimmern, Bad, Küche und Kino ist die Temperatur leicht konstant zu halten - im Kuppelraum wird es Temperaturschwankungen geben, die durch die Berücksichtigung der o.g. Punkte aber in einem behaglichen Bereich bleiben.

Wie heute üblich überall konstant 21°C halten zu können ist nicht möglich. Dafür entfremdet man sich nicht von seiner Umwelt.

4.3.5 Feuchteregulierung

Die Regulierung der Luftfeuchtigkeit erfolgt hauptsächlich über natürliche Ventilation durch Fenster (automatisch).
Außerdem tragen die Holzverkleidungen, Pflanzen und Wasserflächen Ihren Teil dazu bei. Trockene und ungesunde Heizungsluft wird es im
eXo/nat nicht geben.
Stacks Image 28211
Stacks Image 28214
Stacks Image 28217
4.4 Wasser

Wasser ist eines der kostbarsten und leider knappsten Güter der Erde. Jede Möglichkeit zur Einsparung sollte genutzt werden, jede Maßnahme zur Gewinnung ergriffen werden. Physikalische sind dabei technischen Lösungen vorzuziehen.

4.4.1 Regenwasser

Der äußere Ring des
eXo/nat speichert alle Niederschläge, die auf die Hülle treffen. Er hat ein Fassungsvermögen von 170.000 Litern und kann, da er nicht wie üblich über Rohrleitungen gespeist wird, auch bei in Zukunft zunehmenden Starkregenereignissen 100% des Niederschlags aufnehmen.
Bei übliche Systemen gehen gerade diese Wassermassen zum großen Teil verloren, da Rohrleitungen dafür nicht ausgelegt werden und übliche Dächer einfach überlaufen.

6a

4.4.2 Abwasser

Das eigene Abwasser wird in einem Kompaktklärwerk (wahlweise mit externen Biofilter im Garten) gereinigt und z.B. wieder für die WC-Spülung oder zur Bewässerung genutzt.

4.4.3 Grundwasser

In regenarmen Regionen gibt es einen zusätzlichen Trinkwasserbrunnen zur Grund- und Notversorgung. Dieser kann ebenfalls in das Heiz-/Kühlsystem integriert werden.
Zur Erzeugung von Trinkwasser kann ein Kondesationssystem aufgebaut werden.

4.5 Abfall

4.5.1 Kompost Indoor

Küchen- und Grünabfälle werden indoor (z.B. Bokashi) kompostiert. Die gewonnen Erde wird in die Beete eingebracht und sorgt dort für Ertragssteigerungen.

4.5.2 Biomasse / Laub

Indoor-ungeeignete Biomasse sowie Laub usw. werden extern kompostiert und um das
eXo/nat herum verteilt.

4.5.3 Düngerproduktion

Nebenprodukte des Klärwerks in Kombination mit Kompost, sowie Wasser aus den u.U. mit Fischen besetzten Innenbecken ergeben zusammen einen sehr hochwertigen Dünger. Dieser wird extern verteilt und soll einen „Green-spread“ initiieren, d.h. gerade an kargen Standorten wird so Nährstoff in den Boden eingebracht.

Wasserüberschüsse werden ebenfalls dort verteilt, sodass sich im Laufe der Zeit und mit dem geeigneten Pflanzkonzept eine Renaturierung in Gang setzen kann.


15a

4.6 Nahrung

Im
eXo/nat kann wie in einer Biosphäre oder in einem großen Gewächshaus Obst und Gemüse angebaut werden. Dabei steht eine deutlich längere Vegetationsperiode zur Verfügung.
Auch exotische Gewächse gedeihen bei richtiger Platzierung und Nutz- und Zierpflanzen können wie sonst im Garten kombiniert werden.

Zu heiße und trockene Sommer können innerhalb der Kuppel abgefedert werden und die Ernte ist vor Schlagregen und Sturm gesichert.

Da sich die Anbaufläche konzeptbedingt innerhalb des Wohn-/Lebensraums befindet ist die „Arbeit im Garten“ angenehm und nicht witterungsabhängig. Der Kontakt zum Rest der Familie bleibt erhalten.

5 SKALIERUNG

5.1 Modell „Einfamilienhaus“
pikto1
Dieses Modell wird in den Bildern dargestellt. Es bringt den Mensch wieder in Kontakt mit der Natur.
Es geht darum das Leben nicht zu verlernen, für sich selbst sorgen zu können, im Einklang mit seiner Umgebung zu sein, sich um diese zu kümmern und Freude am Wohnen zu empfinden.
Nebenbei ist man ein großes Stück unabhängiger und krisenfest.

5.2 WG / Patchwork

Die klassische Familienstruktur ist nicht immer Standard. Das
eXo/nat-Konzept sieht keine strikten Funktionen für Räume oder Bereiche vor, daher ist es sehr einfach für WGs u.ä. zu nutzen. Die Zahl der „Nester“ wird beispielsweise erhöht, eine zusätzliche „Höhle“ eingebaut, Flächenverhältnisse geändert und ganz den Wünschen und Bedürfnisse der Nutzer angepasst.

Da alle Änderungen unabhängig von der äußeren Hülle durchgeführt werden können, ist das Gebäude auch späteren Anforderungen stets gewachsen.

5.3 Arbeiten und Wohnen

Selbstverständlich können verschiedene Nutzungsmöglichkeiten eingeplant werden.
Inwieweit sich diese verschränken oder voneinander getrennt werden ist frei wählbar und natürlich gestaltbar, durch Felsen, Wasserfälle, Pflanzwände usw.

5.4 Familiengemeinschaften
pikto2

Bauherrengemeinschaften gibt es bereits, bei denen mehrere Familien zusammen ein Mehrfamilienhaus bauen, teilweise auch mit gemeinsamen - meist zusätzlichen - Wohnräumen.
Gemeinsames Kochen und damit auch die Weitergabe von Erfahrungen, gemeinsames Betreuen von Kindern, Mehrgenerationen-Projekte und vieles mehr ist im
eXo/nat-Konzept möglich.

Vereinfacht wird dabei zuerst eine Zonierung vorgenommen, in der gemeinsame Bereiche, Familienrückzugsorte und Zimmer etc. in einer kleinen Dorfstruktur modelliert werden. Zusammengefasst wird die Struktur durch die frei tragende Schale - die Freibereiche zwischen den einzelnen Bereichen sind Pflanzbeete, natürliche Wege und Gemeinschaftsbereiche.

Ab dieser Größe beginnt das Terrain der Biosphäre - ein sich selbst erhaltender Lebensraum.
5.5 Wüstenrand

Im Randbereich von Wüsten, in kargen Landstrichen und an exponierten Lagen bietet das
eXo/nat eine Chance Lebensraum für viele Menschen zu schaffen.
Angesichts steigender Bevölkerungszahlen, Unbewohnbarkeit immer größerer Gebiete, Knappheit von Ressourcen und Krisenherden rund um die Welt ist nicht nur Wohnraum nötig, sondern eine Möglichkeit autark sein zu können und nicht ganze Gebiete aufgeben zu müssen.

Eine Biosphäre schafft diesen Lebensraum und trägt zur Erhaltung der Umgebung bei. Dem Standort entsprechend angepasst, mit Verglasungen, die einen großen Teil der Wärmestrahlung reflektieren und den physikalischen Prinzipien des Konzepts können diese Orte besiedelt werden.

pikto3
5.6 Wüstenrand: Cluster

Wüstengebiete breiten sich dramatisch schnell aus - Lebensraum für Menschen wird zurückgedrängt. Wie werden wir in Zukunft damit umgehen?

eXo/nat kann durch die Vernetzung einer großen Anzahl von Biosphären verlorenen Raum zurückgewinnen.
In der Größe von Dörfern oder kleinen Städten können Siedlungen entstehen, die gemeinsam viel Sonnenlicht zurückspiegeln und dadurch die Temperaturen zwischen den einzelnen Kuppeln senken. In Verbindung mit den Renaturierungsmaßnahmen werden diese auch windgeschützten Zwischenräume schnell wieder begrünt. Die Bespannung der Bereiche zwischen den Kuppeln mit Schattiergewebe unterstützt dabei in der Startphase.

Beim Anlegen einer Siedlung können nach dem selben Prinzip auch zweckgebundene und größere Biosphären errichtet werden, die z.B. rein zum Anbau von Nahrung bestimmt sind. Das Innenklima kann je nach Funktion im Vorfeld beeinflusst werden.

Am Ende der Entwicklung stehen Biosphärensiedlungen, die wiederum mit anderen Siedlungen verbunden sind - in einem Abstand zueinander, der es ermöglicht, von beiden Seiten aus renaturiert zu werden.

Es wäre eine Entwicklung weg vom aktuellen Mainstream, nicht die Konzentration auf immer größer werdende Städte und den damit immer einhergehenden Versorgungsproblemen und Zerstörungen der Umwelt. Es wäre gesellschaftlich ein „Rückschritt“ - für die Zukunft aber sicher ein Fortschritt, nämlich eine Rückkehr zu kleineren Strukturen - kleineren aber hochvernetzten Gemeinschaften. Deren Mitglieder hätten ein Grundverständnis für eigentlich selbstverständliche Dinge des Lebens, wie Nahrungsmittelproduktion, Wassermanagement, eine ökologische und soziale Lebensweise und vor allem für die sie umgebende Natur.

Die heutigen Forderungen an die Bevölkerung Energie einzusparen und ökologisch zu bauen, mehr Geld auszugeben um „den Planeten zu retten“, würden vielleicht auf größere Resonanz treffen, wenn Menschen die Natur auch abseits von Stadtbäumen erleben würden und sich z.B. in einem
eXo/nat näher den Elementen verbunden fühlten.

6 WER

Verfasser

Joshua Miccoli
Architekt VDA, Dipl.Ing.(FH)

* 1980 in Pforzheim

Architekturstudium an der FH Karlsruhe 2000-2004
Selbstständig seit 2004

Tätigkeitsschwerpunkt: Entwurf, Projektentwicklung
Stacks Image 28243

mAIA
miccoli Architektur I Immobilien I Atelier
Joshua Miccoli, Architekt VDA

Marienstraße 1
76689 Karlsdorf-Neuthard